Ausflüge & Stockholm entdecken

Stockholm entdeckt man am besten zu Fuß und mit einer Monatskarte. Stefan nutzte jede freie Stunde, um neue Stadtteile zu erkunden – nicht als Tourist, sondern als jemand, der diese Stadt als Heimat begreifen wollte. Früh schon fielen ihm die kleinen Unterschiede auf: Die Geschäfte schließen unter der Woche um 19 Uhr, pünktlich. Nur die großen Kaufhäuser NK und Åhlens halten bis 20 Uhr durch. Lebensmittelläden dagegen haben bis 22 oder 23 Uhr offen – auch am Wochenende.

(geschrieben am 27. September 2008 von Stefan)

Die Stockholm Kulturfestival im August 2008 brachte Konzerte und Straßenakrobatik auf den Sergels Torg. Stefan und Malte saßen auf den Stufen am Platz und schauten zu. Sanna Nielsen trat auf – für Fans von Melodifestivalen bekannt. Sie spielte nur kurz, gab danach am Seitenausgang Autogramme. Malte wollte auch eines, aber sie hatten nichts, worauf sie hätte schreiben können.

(geschrieben am 15. August 2008 von Stefan)

Den Midnattsloppet (den Mitternachtslauf) – knapp 19.000 Läufer auf zehn Kilometern durch die Nacht – verfolgten sie als Zuschauer. Der Halbmarathon im September war ebenfalls ein Spektakel: Freunde liefen mit, Stefan und Malte standen am Rand, anfeuerten, fotografierten. Es schien, als würde jeder dritte Stockholmer regelmäßig an Läufen teilnehmen.

(geschrieben am 17. August 2008 und 13. September 2009 von Stefan und Malte)

Ausflüge in die Umgebung wurden schnell zur Gewohnheit: Saltsjöbaden mit der alten Saltsjöbanan, durch Felsen und Schären, bis ans Wasser. Vaxholm mit der Fähre vom Strömkajen – kleine Gassen, Fischräucherei, Knäckebröd mit geräuchertem Fisch. Brevik auf der Halbinsel Tyresö, wo sich der Weg am Wasser entlangschlängelte und die Grundstücke – ungewöhnlich für Schweden – mit Zäunen versperrt waren.

(geschrieben am 3. April und 18. Juli 2009 von Stefan)

Die Stockholm Pride Parade 2009 – der Stockholmer CSD – war ein Erlebnis. Im Gegensatz zu Berlin startete die Parade fast pünktlich. Stefan und Malte standen auf einer Brücke am Sergels Torg, mischten sich dann ins Getümmel am Rand, liefen mit. An einem Punkt schafften sie es sogar in den Zug selbst.

(geschrieben am 1. August 2009 von Stefan)

Als Besucher aus Deutschland kamen, wurde Stockholm zum Reiseziel: Katersitterin mitgenommen nach Vaxholm, Malte' Mutter nach Uppsala gefahren. Uppsala in einem Satz: Unmengen von Fahrrädern, viele davon mit blauen Zetteln, die ankündigten, dass sie bald entsorgt würden – weil die Studenten, denen sie gehörten, längst wieder abgereist waren.

(geschrieben am 6. und 8. Juli 2009 von Malte)

Im Osterwochenende 2010 fuhren Stefan und Malte mit dem Nachtzug nach Berlin – und erlebten die Deutsche Bahn aus schwedischer Perspektive. Das Zugpersonal glänzte mit Unfreundlichkeit, die Fähre in Sassnitz kam überraschend (sie hatten mit der Öresundbrücke gerechnet), und die Rückfahrt verlief ähnlich abenteuerlich. Stockholm mit dem öffentlichen Nahverkehr war dagegen fast immer verlässlich – außer wenn es schneite.

(geschrieben am 7. April 2010 von Malte)

2013 kam dann das vielleicht schönste Kapitel: Ein offizieller Brief der Stockholmer Stadtverwaltung teilte mit, dass Stefan und Malte in den kommenden zwei Jahren ein Kind adoptieren durften. Das einzige Problem: Keine der offiziellen Adoptionsorganisationen für Auslandsadoptionen akzeptierte gleichgeschlechtliche Ehepaare. Die Hoffnung blieb – auf ein schwedisches Kind, oder auf einen Sinneswandel der Organisationen.

(geschrieben am 30. April 2013 von Malte)

This article was updated on 17 juli 2026