Job & Arbeit

Stefans erster Arbeitstag war der 1. September 2008. Er war viel zu früh da, bekam Kaffee, und dann startete das Telefonieren – auf Schwedisch, auf Englisch, mit Kollegen und Kunden. Am Ende des Tages war er erschöpft, aber angekommen. Die praktischen Fragen kamen sofort: Wie bekommt man eine Kreditkarte? Wer ohne schwedische Bonität fragt, bekommt sie nicht. Wer nach einer „Visa-Karte" fragt und dann nachschiebt, es sei eigentlich eine Kreditkarte gemeint – der verwirrt den Bankberater. Beim nächsten Versuch einfach clever fragen.

(geschrieben am 1. und 3. Oktober 2008 von Stefan)

Die A-Kassa (Arbeitslosenversicherung) war ein eigenes Thema. Stefan meldete sich bei der AEA (Akademikernas a-kassa) an – 150 Kronen pro Monat, was er für vertretbar hielt. Wann die Leistungen griffen, wann nicht – das lernte man schrittweise. Die Försäkringskassan (die schwedische Sozialversicherungsbehörde, zuständig für Kranken-, Renten- und Elterngeld) schickte nach langen Wartezeiten endlich die europäische Versichertenkarte.

(geschrieben am 8. November 2008 und 5. Februar 2009 von Stefan)

Malte startete seinen Jobsuche 2009 beim Arbeitsamt. Dort gab es einen Jobbcoach von Adecco – keine Massenveranstaltung wie in Deutschland, sondern individuelle Treffen, persönliche Beratung, Lebenslauf optimieren. Im Januar 2010 trat er dann seinen ersten Job an: über eine Zeitarbeitsfirma bei einem IT-Unternehmen im deutschsprachigen Support. Die Probezeit über die Zeitarbeitsfirma abzuwickeln, sei in Schweden ganz üblich, hieß es. Malte freute sich besonders über das Arbeitsklima: kein Anbrüllen, kein psychischer Druck, kein Dauerstress – „komisch, dass man so angenehme Dinge erst in Schweden und so spät schätzen lernt."

(geschrieben am 27. Januar 2011 und 24. Januar 2010 von Malte)

Das schwedische Krankengeldsystem lernte Malte kennen, als er erkrankte und feststellte: Ohne mindestens sechsmonatigen Anstellungsvertrag gibt es bei längerer Krankschreibung kein Krankengeld von der Försäkringskassan. Glück hatte er nur, weil sein Vertrag gerade verlängert worden war. Beim Arztbesuch selbst erlebte er, was er als typisch schwedisch beschrieb: keine Hausarzt-Bindung, jedes Mal ein anderer Arzt, Eintritt bezahlen für jeden Besuch, im Akkord durchgewunken, keine Zeit für Ursachenforschung.

(geschrieben am 27. April und 31. Mai 2011 von Malte)

Der Alltag an der Schule, wo Malte ab 2011 als Vertretungslehrer arbeitete, brachte eigene Abenteuer: eine Durchsage der Bahn, die eigens informierte, dass die Züge heute planmäßig fuhren – ein Novum. Und eine unerzogene Schulgruppe, bei der die Klassenlehrerin krank war und Malte alleine eine Stadtwanderung durchführen sollte. Die Kinder mobbten einander, weigerten sich zuzuhören – die Wanderung wurde abgebrochen.

(geschrieben am 8. Februar und 16. Mai 2011 von Malte)

Der Servicebegriff in Schweden war ein weiteres Thema. Die Citroën-Werkstatt: Services ohne gemeinsame Fahrzeugbesichtigung, Reparaturen gegen den Willen des Kunden. Der Apple-Service: ein defektes Netzteil, eine Woche Reparaturzeit, Ergebnis: „Kein Fehler gefunden", Untersuchung kostet 250 Kronen – obwohl der Fehler sogar als Audiodatei vorlag. Erst als Malte das Netzteil ans Ohr des Technikers hielt, war er überzeugt.

(geschrieben am 31. Januar 2012 von Malte)

2016 schaffte Malte dann den Sprung zum Elektroauto. Seit Jahren hatten sie die Entwicklung verfolgt, Probefahrten gemacht, verglichen. Mit dem Einzug ihres Hundes Lilo und dem Ende des störungsanfälligen Citroen C2 wurde der Wechsel konsequent: ein E-Auto, das jeden Tag die kurze Pendlerstrecke zur Arbeit fuhr – leise, wartungsarm, und mit einem Lächeln am Steuer.

(geschrieben am 27. April 2016 von Malte)

This article was updated on 17 juli 2026