Staatsbürgerschaft & Einbürgerung

Die Frage der Staatsbürgerschaft war kein zentrales Thema in den ersten Jahren – sie entwickelte sich. Stefan und Malte kamen als EU-Bürger, hatten Aufenthaltsrecht, mussten aber trotzdem alle Schritte durchlaufen: Personennummer, Aufenthaltserlaubnis beim Migrationsverket, ID-Kort. Ein richtiger schwedischer Pass – und damit die Möglichkeit, innerhalb der EU ohne Reisepass zu reisen, oder bei großen Parlamentswahlen zu wählen – war nur mit schwedischer Staatsbürgerschaft möglich. Und auf die musste man fünf Jahre warten.

In den ersten Jahren kreiste das Alltagsleben um die kleinen Symbole des Ankommens: der erste Stadtplan von Stockholm, gekauft nach langer Suche in zwei Filialen der Akademibokhandeln. Das erste schwedische Bankkonto bei der SEB. Die erste Überweisung – bei der Stefan entdeckte, dass „Betala" nicht dasselbe ist wie „Överföra". Der erste Arbeitstag, an dem man merkt, dass die Kollegen freundlich sind, der Kaffee gut, und das Schwedisch noch nicht ganz reicht.

(geschrieben am 8. August, 1. und 3. September 2008 von Stefan)

Der Eurovision Song Contest 2009 wurde zum ersten großen gemeinsamen Schweden-Erlebnis. Malte und Stefan zappten zwischen SVT1 und ARD hin und her und waren überrascht, wie ernst die Schweden dieses Ereignis nahmen – unvorstellbar aus deutscher Sicht.

(geschrieben am 17. Mai 2009 von Malte)

Die schwedische id-kort – vergleichbar dem deutschen Personalausweis, aber ohne EU-Reisemöglichkeit – bekamen sie 2011. Der Weg dorthin war holprig: früher vergaben Banken die Karten nach eigenen Regeln, jetzt das Skatteverket nach einheitlichen Bedingungen. Anträge ausgedruckt, Vorkasse geleistet, Fotos gemacht (ohne Brille, da sonst zu viele Reflexe), gewartet. Dann endlich da. Mit der id-kort wurde vieles leichter: Pakete abholen, Identität nachweisen, Dinge erledigen, die vorher eine unnötige Hürde waren.

(geschrieben am 13. Juli 2011 von Stefan)

Die Geschichte mit dem BMW – dem Kauf, dem Verkauf, dem langen Weg durch verschiedene Autos und Autohäuser in Schweden – füllte einen eigenen langen Post. Stefan schilderte ausführlich, wie man als Nicht-Einheimischer mit unbekannter Bonität und ohne Schwedischkenntnisse am Automarkt teilnimmt, wie Händler die eigene Unsicherheit ausnutzen, und wie man schließlich doch zum richtigen Auto findet.

(geschrieben am 4. September 2011 von Stefan)

Silvester 2009 im Skansen: Das Bühnenprogramm war eher besinnlich als fröhlich, der Countdown fehlte, und der letzte Redner sprach so lange, dass der exakte Jahreswechsel beinahe verpasst wurde. Dafür: das Feuerwerk war fantastisch, der Blick von Skansen über die Stadt unvergesslich.

(geschrieben am 3. Januar 2010 von Malte)

Im September 2013, nach fünf Jahren für Stefan und viereinhalb Jahren für Malte, war es Zeit: Sie stellten den Antrag auf schwedische Staatsbürgerschaft. Sie hatten in dieser Zeit unglaublich viel geschafft: von einem Zimmer zur Untermiete bis zur eigenen Wohnung, von der Wohnung bis zum Haus in Vallentuna, von unsicheren Anfängen bis zu Berufen, in denen sie sich heimisch fühlten. Schweden war Heimat geworden.

(geschrieben am 25. September 2013 von Malte)

Das Migrationsverket brauchte sechs Monate. Dann, im März 2014, kamen die Briefe: zunächst nur Abholscheine. Sie fuhren zur Post, quittierten, öffneten – und waren einge„schwedischt". Schwedische Staatsbürger. Mit dem Recht, bei großen Parlamentswahlen mitzuwählen, nicht nur zuzuschauen.

(geschrieben am 29. März 2014 von Malte)

Am 6. Juni 2015 – dem schwedischen Nationalfeiertag – waren sie zur Einbürgerungszeremonie ins Stockholmer Rathaus eingeladen. Im Blauen Saal (der eigentlich ziegelsteinrot ist) und im vergoldeten Gyllene Salen mit Kaffeebuffet wurde die schwedische Staatsbürgerschaft offiziell gefeiert. Die Kulturdirektorin Berit Svedberg hielt die Rede. Stefan und Malte waren unter den Neuschweden.

(geschrieben am 10. Juni 2015 von Malte)

Sechs Jahre Schweden – ein langer Rückblick im März 2015, kurz vor dem sechsten Jahrestag: der erste Abschied am Flughafen Schönefeld, die Fähre im Sturm, das erste Zimmer in Fruängen, die Wohnungssuche, der Umzug von Berlin, die Sprachkurse, die Behördengänge, Garfield der Kater (der den Umzug mitmachte und 2009 starb), die erste eigene Wohnung, die Renovierung, das Haus, die Kinder – alles in einem langen, dichten Text voller Bilder und Gefühlen.

(geschrieben am 21. März 2015 von Malte)

2016 wurde Lilo, ihre Französische Bulldogge, das dritte Familienmitglied. 2017 kamen L. und M. als Pflegekinder ins Haus. 2018 schloss Malte sein Lehramtsstudium an der Universität Uppsala fast ab. 2020 – das „komische Jahr" – bauten sie in der Pandemie eigenhändig einen neuen Garten, rissen alte Mauern ab, bauten ein Sonnendeck, ließen einen Rasenroboter einziehen. Das Leben in Schweden war längst kein Abenteuer mehr – es war einfach Leben.

(geschrieben am 2. Februar 2016, 28. Januar 2018, 23. Mai und 28. Dezember 2020 von Malte)